Abschied mit Spannung – Unser letzter Stunden in Norwegen
Heute hieß es zum allerletzten Mal: Aufwachen in Norwegen. Ein bittersüßes Gefühl. Beim Frühstück war es fast ein bisschen stiller als sonst – als ob selbst unsere Brötchen wussten: Es wird ernst. Aber nach den letzten Krümeln und einer liebevollen Kontrolle, ob auch wirklich alles eingepackt ist, ging es los. Roady summte zufrieden vor sich hin, als würde er sagen: „Norwegen, ich war gern hier.“
Wir rollten die letzten Kilometer Richtung Kristiansand. Links und rechts glitt noch einmal die beeindruckende norwegische Landschaft an uns vorbei – Wälder, Fjorde, Felsen, Seen. Wir genossen jede Kurve, jeden Hügel, jede Wolke. Bald hieß es: Takk og ha det, Norwegen!
Am Fährterminal angekommen, wurden wir direkt Teil eines XXL-Tetris-Spiels aus Wohnmobilen, Wohnwagen und Reisebussen. Und das ganze 2 Stunden vor Abfahrt! Wir fühlten uns bestens vorbereitet. Noch schnell der Check-in, alles lief glatt – und dann hieß es: warten.
Doch plötzlich kippte die entspannte Stimmung in gespannte Neugier. Die Auffahrt zur Fähre stockte. Als wir gerade an der Reihe waren, hob ein Mitarbeiter abrupt die Hand: Stopp! Roady bremste brav, wir blickten uns fragend an.
Dann kam Bewegung ins Spiel – aber nicht in unsere Richtung. Zwei Camper, die bereits auf die Fähre aufgefahren waren, mussten plötzlich rückwärts wieder rausfahren. Ein schlechtes Omen? Offenbar war der Platz an Bord knapper als gedacht.
Kurz darauf rollte ein Reisebus mit Anhänger neben uns vor – und wurde ohne Zögern in den Schiffsbauch gelotst. Unsere Stimmung schwankte zwischen Sorge und Hoffnung. Und dann begann das Spektakel:
Die Crew machte sich ans Maßnehmen – mit Schrittlänge! Kein Zollstock, kein Maßband, keine digitale Technik. Nein, ganz klassisch mit Fuß und Gefühl. Es wurde gezählt, geschätzt, diskutiert. Gesten flogen durch die Luft, Kolleg:innen gaben sich lauthals Zeichen. Wir versuchten mitzudeuten, was das heißen könnte. Sollte jemand quer stehen? War noch Platz? Für wen?
Dann – ein Blick zu uns, ein Nicken, ein Armzeichen: Roady war auserkoren! Der perfekte Lückenfüller zwischen Reisebus und Laderaumtür. Zentimeterarbeit war angesagt. Wir rollten langsam vor, mit gespitzten Ohren und angespannten Schultern. Links: knapp. Rechts: auch knapp. Aber es passte. Vielleicht nicht für zwei Blatt Papier – aber eins hätte mit Rückenwind durchgepasst.
Oben im Passagierbereich dann das nächste kleine Glück: Wir durften nebeneinander sitzen! Kein getrennter Sitzplan wie auf der Hinfahrt – sondern schön Seite an Seite, wie es sich für ein eingespieltes Roadtrip-Team gehört.
Pünktlich zum Ablegen standen wir an Deck. Der Blick zurück nach Norwegen war ein wenig melancholisch – und die Wettergötter schienen es auch so zu sehen. Ein leichter Nieselregen setzte ein. Oder wie wir sagten: Norwegen weinte uns eine kleine Träne nach.
Die Überfahrt verlief ruhig – keine Wellen, kein Drama. Roady überstand das Schiffsabenteuer unbeschadet und rollte kurz darauf wieder festen dänischen Boden unter die Reifen. Wir fuhren noch ein Stück bis Christiansfeld, einer kleinen charmanten Stadt, und gönnten uns hier unsere letzte Übernachtung auf diesem Roadtrip. Morgen geht’s zurück nach Berlin.
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