Statt Meeresrauschen: Määäh am See
Heute haben wir’s mal gemütlich angehen lassen – Ausschlafen stand auf dem Programm. Schließlich musste der Check-out vom Campingplatz erst um 11 Uhr erfolgen. Zum Frühstück gönnten wir uns frische Brötchen vom Kiosk – der Wille war da, aber geschmacklich haben wir innerlich beide beschlossen: Gegen deutsche Brötchen ist einfach kein Teig gewachsen.
Nach dem letzten Bissen hieß es: Sachen zusammenpacken, Roady startklar machen, Toilette entleeren und Frischwasser auffüllen. Letzteres war dringend nötig – das Kontrolllämpchen blinkte schon wie eine Diskokugel auf Koffein und schrie förmlich: „Gib mir Wasser!“
Punkt 10:58 Uhr rollten wir (sehr regelkonform) vom Platz – Richtung Brusand. Sonne, Meer, Strand – das war der Plan. Laut Navi nur anderthalb Stunden entfernt. Also: Roady angeschmissen, Sonnenbrille aufgesetzt, gute Laune an Bord – los geht’s!
Tja. Der norwegische Himmel hatte offenbar andere Pläne.
Kaum hatten wir die erste Kurve genommen, verdunkelte sich der Himmel wie in einem Fantasyfilm kurz vor dem Drachenangriff. Und dann: Regen. Nicht so ein bisschen Getröpfel – nein, es schüttete wie aus Kübeln! Die Windböen fegten uns fast von der Straße, und von „Sonne, Meer und Strand“ blieb nur „Meer. Von oben.“
Jule checkte nochmal optimistisch die Wetter-App. Ernüchterung: „Bleibt heute so.“ Na super.
Also: Plan B. Auf dem Parkplatz kurzerhand eine neue Route geplant – und wir wurden fündig! Ein abgelegener Übernachtungsplatz direkt an einem See, mitten auf einer Schafweide. Klingt verrückt? War es auch. Adresse ins TomTom, Roady auf Kurs gesetzt – und ab durch die Wetterhölle.
Nach einer knappen Stunde Fahrt durch Regen, Wind und apokalyptische Gischt kamen wir endlich an. Ein kleiner See, hügelige Weide, Schafe rundherum. Fast romantisch – wenn man Regen mag.
Bei der Einfahrt wurden wir erstmal kritisch von ein paar Schafen begutachtet, die offenbar das Sagen auf der Weide hatten. Nach einem kurzen „Määäh“ gaben sie aber den Weg frei – Roady durfte passieren. Wenig später kam auch der Bauer vorbei – sprach ein bisschen Deutsch, sehr viel Englisch und erzählte uns einiges. Was genau? Wissen wir nicht. Wir haben brav genickt und freundlich gelächelt.
Den Nachmittag verbrachten wir dann im Camper: mit Blick auf den See, dem leisen Prasseln des Regens auf dem Dach und den Schafen, die uns regelmäßig aus nächster Nähe beobachteten. Ob sie neugierig waren – oder einfach nur kontrollieren wollten, ob wir auch brav unser Parkticket bezahlt haben?
Am Abend kamen noch zwei weitere Camper – wir waren also nicht allein im Schafsparadies. Jetzt sitzen wir gemütlich in Roady, schauen noch einen Film und lassen den Tag ganz entspannt ausklingen – mit Schafblick inklusive.
Gute Nacht von uns – und unseren wolligen Nachbarn!
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