Von Gletschern, Regen und Kuh-Blockaden
Heute Morgen haben wir uns spontan entschieden, noch eine Wanderung zum Bergsetbreen-Gletscher zu unternehmen. Der Parkplatz für den Start lag praktischerweise nur zehn Minuten vom Campingplatz entfernt – Wanderkomfort deluxe.
Der Wetterbericht versprach „leichten Regen“, was uns selbstverständlich überhaupt nicht abgehalten hat. Pünktlich zum Startschuss fing es dann natürlich auch an zu nieseln – man will ja das volle Norwegen-Feeling mitnehmen.
Die Strecke war zum Glück angenehm flach und führte vorbei an kleinen plätschernden Bächen und über schmale Brücken immer weiter Richtung Gletscher. Wir waren komplett allein unterwegs und konnten das richtig genießen. Die Bäume sind hier nicht besonders groß und gaben immer wieder den Blick frei auf diesen imposanten Gletscher, der am Talende thronte.
Rechts im Tal konnten wir aus der Ferne noch den Tuftebreen bestaunen – allerdings nur mit den Augen, der stand dieses Jahr nicht auf unserem Plan. Dafür lauschten wir links und rechts dem Donnern von Gletscherwasser, das sich die Felsen hinabstürzte und unten zu einem wilden Fluss vereinte. Das Wasser war garantiert keine 1 °C warm – so richtig nordisch frisch eben. Natürlich mussten wir es auch probieren: eiskalt, kristallklar und einfach richtig gut. Ein Schluck Norwegen pur!
Passend zum Ende der Route hörte der Nieselregen auf und wir konnten den Gletscher in Ruhe bestaunen. Als wir dann zurück zum Camper liefen, fing es natürlich wieder an zu tröpfeln. Timing auf Norwegen-Art. Unterwegs kamen uns noch ein paar andere Wanderer entgegen – alles wohl eher Spätaufsteher.
Am Parkplatz war dann richtig Betrieb – mittlerweile komplett voll. Immerhin hatte unser Camper in unserer Abwesenheit Gesellschaft bekommen.
Dann ging es weiter Richtung nächsten Campingplatz in Briksdalsbre. Den ersten Abschnitt bis zum Parkplatz am Bøyabreen-Gletscher hat Jule übernommen. Ich habe die langen Tunnel-Fahrten für ein gepflegtes „Power Sleeping“ genutzt – man sieht da drinnen ja eh nichts.
Vom Parkplatz waren es nur zehn Minuten Fußweg bis zum Gletschersee. Beeindruckend war es schon, aber auch etwas traurig: Der Gletscher ist nur noch ein Schatten seiner selbst, er hat sich schon weit zurückgezogen.
Für die zweite Hälfte der Strecke nach Briksdalsbre durfte ich ans Steuer. Ich behaupte mal ganz bescheiden, dass ich den Camper mindestens genauso elegant um die Kurven lenken kann wie Jule. Die Fahrt verlief weitgehend ereignislos – abgesehen von zwei Kühen, die dabei waren, eine improvisierte Straßensperre aufzubauen. Zum Glück konnte ich sie geschickt umkurven und den Camper in Sicherheit bringen.
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